2008-03-24

Alles Schwindel!

Oder vornehmer ausgedrückt: der monistische Idealismus!

Die Physik ist im Moment vor die Wand gefahren. Ich meine nicht die technische Physik, sondern die Physik, wie sie die großen Physiker immer gesucht und praktiziert haben. Die Suche nach der Wahrheit, dem Warum und dem Rest.

Sicher, die Physik wird uns auch in naher Zukunft immer wieder sensationelle Durchbrüche liefern, aber der große Durchbruch wird wohl noch ein paar Generationen auf sich warten lassen, dazu sind die gegenwärtigen Theorien eben einfach zu gut. Die technische Physik (und leider verstehen auch viele der heutigen Physiker ihr Metier in dieser Weise, siehe z.B. de.sci.physik, wo die "Shut-Up-And-Calculate-Fraktionen sich wie Päpste der Hard Science aufspielen) wird auch in der nächsten Zeit noch sehr überraschende Erkenntnisse gewinnen, die sich in überraschende Produktideen verwandeln lassen.

All diese Erkenntnisse und Produkte werden aber in überwiegender Zahl auf Gesetzen der Quantenfeldtheorie (QFT) und in kleinem Masse auch auf den Gesetzen der allgemeinen Relativitätstheorie beruhen (GRT). Diese beiden unvereinbaren Theorien sind das einzig Belastbare, das wir in der Physik besitzen. Das sie unvereinbar sind, weist darauf hin, dass sie auf zwei unterschiedlichen Konzepten der Welt beruhen.

Lee Smolin hat dies recht eindringlich in seinem Buch The Trouble with Physics dargestellt. Er sah sich dazu durch die fast schon dogmatische Dominanz der Stringtheorie in der Physik provoziert; diese Theorie scheint zu einem Mainstream in der Physik geworden zu sein, obwohl sie das wirkliche Problem dieser zwei unterschiedlichen Konzepte vom Ansatz her nicht wirklich lösen kann.

Die GRT formuliert den Zusammenhang zwischen Raum, Zeit und Energie in diesem Universum und ist daher eine physikalische Theorie, die nicht nur das, was "im" Universum stattfindet beschreibt, sondern gleichsam den Behälter Universum mit in seine Betrachtungen einschließt, sozusagen die erste physikalische Theorie mit starker Selbstbezüglichkeit. Mit dieser schweren Geburt ist Einstein in ganz neue Gefilde der theoretischen Physik vorgestoßen, in der die Physik nicht auf der Bühne eines festen Newtonschen Raumes und einer dahinfliessenden Zeit stattfindet, sondern alles miteinander verkoppelt ist. Ein unerhört großer Sprung im Denken, der bis heute intuitiv noch nicht richtig erfasst werden kann. Es macht unserem Verständnis die größten Probleme, da alle selbstbezüglichen Vorgänge von uns nicht wirklich durchdrungen werden können und in der Regel als Paradoxien und Rätsel zur Seite geschoben werden müssen. Das wird sicher damit zusammenhängen, dass Bewusstsein selbst eine selbstbezügliche Grundlage hat und damit wären wir schon wieder in der schönsten Selbstbezüglichkeit und legen es erstmal zur Seite...:-)

Die QFT dagegen, benötigt eine feste Bühne, auf der aber auch aus der reinen Leere (Vakuum) geisterhafte Sachen passieren können. Hier ist quasi alles Köstliche im Vakuum versteckt und materialisiert in unsere Realität, um uns zu erfreuen :-) Der Unterschied zur GRT ist hier aber die feste Bühne, weshalb man diese Theorie auch als background dependent theory bezeichnet. Das, was uns an der QFT Unbehagen bereitet, ist das, was man schon in der guten alten Quantentheorie (QT) hatte: das Kollabieren einer ominösen Wellenfunktion, mit der man hier die Realität vor der Messung beschreibt und eine neue Realität nach der Messung liefert.
Kurz: solange man nicht misst, entwickelt sich die Realität relativ normal und determiniert. Guckt man hin und macht eine Messung, so kollabiert eine Wellenfunktion, die bisher die Realität beschrieben hat und liefert mit einer berechenbaren Wahrscheinlichkeit eine neue Realität (s. in diesem Zusammenhang auch: Quanten-Zenoeffekt). Wie das passieren soll ist keinem bis jetzt klar und Interpretationen, mit denen man sich trösten möchte sind unter den Begriffen Viele-Welten-Theorien, Kopenhagener-Deutung, Bohmsche Mechanik oder Dekohärenztheorien nachzusuchen. Keine scheint bisher so richtig befriedigend für mich.
Kurz, es stellt sich die Frage, ob es eine von uns bewussten Beobachtern unabhängige Realität gibt.

Die QT scheint zu sagen: Nein! Sollte es so etwas wie eine Realität geben (wie auch diese aussehen mag), sie wäre zumindest nicht-lokal. Das heißt, dass zwei, mehr oder gar alle Raumzeitpunkte (egal wie weit sie in dieser Raumzeit auseinander liegen) in dieser Realität miteinander gekoppelt sein können oder müssen. Dies ist tatsächlich Hard Science (s. Theorie bzw. Experiment von Bell bzw. Aspect).

Die Stringtheorie versucht die Phänomene der GRT sozusagen aus dem Nichts oder besser aus höheren Dimensionen zu ziehen. Aber die Bühne ist auch hier starr, wenngleich biegsam und mehrdimensional. Aber sie erklärt nicht, wie es zu dieser Bühne kommt oder was diese mehrdimensionale Bühne überhaupt ist. Seit der GRT sind aber solche Fragen wieder salonfähig und werden von der Stringtheorie leider nicht angegangen mit dem alten Argument: das sind sinnlose Fragen, das ist nicht Physik! Die Stringtheorie (oder M-Theorie) führt zusätzliche unmessbare Dimensionen ein und nutzt diese Freiheiten zur Erklärung der Welt. Leider scheint mit diesen zusätzlichen Dimensionen eine unermessliche Freiheit von Parametern zu entstehen, die diese Theorie schon fast wieder zu einer Theorie von Allem und Nichts werden lässt, die zur Zeit und in unmittelbarer Zukunft sich wohl nur schwer (weil zu oft) an unser Universum ankoppeln lässt.

Dann gibt es noch neue Theorien, wie die Loop-Gravitation-Theorien, die versuchen, den Raum und die Zeit aus kleinen unteilbaren Raumzeitstücken zu bauen. Diese Theorien sind aber Minderheitentheorien und sind wohl auch an der Grenze des Verständlichen anzusiedeln (weshalb sie nicht unbedingt falsch sein müssen!). Vielleicht sind wir hier schon am Ende der analytischen Herangehensweise angelangt, denn ich kann mir unter Raumzeitquanten beim besten Willen nichts mehr vorstellen...unser linker Neocortex scheint ein wenig diesen Theorien hinterherzuhinken :-).

Da ich hier nicht einen Abriss der aktuellen Theorienlage geben möchte (und sicher auch nicht geben kann!) will ich hier mal diesen kleinen Überblick beenden, da die wesentlichen Sachen schon erwähnt wurden. Er sollte nur ungefähr die Grenzen aufzeigen, an denen sich die Physik momentan tummelt.

Die Probleme, die bisher nicht zu einer neuen Theorie geführt haben, sind also zum einen die Selbstbezüglichkeit oder Hintergrundunabhängigkeit (GRT) und zum anderen die Kopplung der Realität an Mess- oder Bewusstseinsprozesse und die Verbundenheit der gesamten Welt durch die Nicht-Lokalität (QT).

Und genau das sind die beiden Punkte, die die moderne Physik an die spirituellen und mystischen Theorien der Buddhisten oder anderer Religionen rücken lässt (spätestens seit Capras Buch Das Tao der Physik ist das ja ein schwelendes Thema).

Ist man auf der Suche nach dem Großen, muss man die Werkzeuge den Gegebenheiten anpassen und darf sich nicht scheuen, unkonventionelle Wege zu gehen und zu denken. Leider haben sich die Suchenden, falls es sie noch in der Physik oder den mystischen Kreisen gibt, auf ihre Werkzeuge festgelegt und weigern sich wie kleine Kinder der Mathematik oder der Meditation zu entsagen, weil sie mittlerweile ihre Werkzeuge als Ziel der Mittel und nicht als Mittel zum Ziel sehen. Wie Lee Smolin bin auch ich der Meinung, dass unsere Zeit keine Spezialisten oder "Handwerker" (bzw. Superyogis) mehr benötigt, sondern Visionäre, die querdenkend alte Denkgewohnheiten aufbrechen können.

Um dies leisten zu können, ist es sicherlich hilfreich, die Welt aus möglichst vielen unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen und sich nicht in Spezialwissen einer "Disziplin" zu vergraben. Wir wissen zurzeit einfach zu viel über zu wenig; wir müssen vielleicht nur mal wieder ein paar Schritte rückwärts gehen, um wieder das Gefühl für das Ganze zu bekommen. Wir scheinen mit unserem Wissen auf einem Hügel des relativen Maximums angekommen zu sein und trauen uns nun nicht mehr hinunter, um nach einem noch höheren Gipfel zu suchen; so scheinen wir auf diesem kleinen Gipfel mit unserem Wissen nur noch im Kreis zu laufen. Beim Verlassen dieses Gipfels verlässt man das gesicherte Wissen und wird von den auf dem Gipfel bleibenden gerne verspottet und ausgelacht.

Das kann berechtigt sein (vielleicht gibt es ja keine höheren Gipfel und man geht doch nur talwärts), aber es muss nicht so sein. Lächerlicher ist es vielmehr, wenn die auf dem Gipfel bleibenden sich aus Sand kleine Minihügel aufschütten, um wenigstens kleine Erfolge in ihren jeweiligen Disziplinen vorweisen zu können ;-). Es ähnelt dem Epizyklensystem des Ptolemäus, von dem sich die damaligen Forscher auch nur schwer verabschieden konnten.

Eine Gruppe dieser Talgänger beschäftigt sich also mit dem monistischen Idealismus. Das klingt für mich sehr wissenschaftlich, aber auch irgendwie recht abstoßend, weil es scheinbar impliziert, dass es sich hier um eine weitere unnütze Theorie handelt, in die man die Realität gießen möchte. Es könnte aber tatsächlich mehr sein...

Zunächst der Schock für die Techniker: der monistische Idealismus geht vereinfachend davon aus, dass es nur ein Bewusstsein gibt und dieses Bewusstsein auch noch alles ist. Es gibt keine Materie, es gibt keine Anderen...denn sie sind alle ich. Das Eine ist der Grund für das monistisch und das nicht die Materie die Grundlage für alles ist, sondern vielmehr die Idee, ist der Grund für das Idealismus im Namen.

Das klingt fantastisch abgedreht, oder?

Und doch sollte uns der Gedanke aus dem Zen-Buddhismus vertraut sein. Dieses Lösen von den Dingen und das Aufgehen im Eins ist das berühmte Satori oder die Erleuchtung, das unter anderen Namen in vielen Religionen (selbst der christlichen!) ursprünglich angestrebt wurde. Waren solche Modelle bisher darauf angewiesen, es entweder einfach zu glauben oder selbst diese Erfahrungen zu machen, so gesellen sich nun die seltsamen Ergebnisse der modernen Physik hinzu. Man hat nun mehrere Wege, um zu dieser Erkenntnis zu kommen, je nach Geschmack und Vorliebe.

Wir alle und alles sind Ich!

Erinnert das nicht an Selbstbezüglichkeit?

Erinnert das nicht an die nicht-lokale Realität der QT?

Und das Schöne: diesmal muss man es nicht glauben, sondern unsere Gehirnhälfte, die alles logisch ordnen möchte, kann sich auf dem analytischen Weg der modernen Physik dieser Erkenntnis nähern.

Diese Theorie scheint auch irgendwie "In" zu sein, denn ein Film, der in diese Richtung stößt scheint sich zumindest in den USA recht gut zu verkaufen: What the Bleep we (k)now?.

Leider sieht man auch an dem Film, dass sich an Ideen, die sich der Wahrheit (falls es sie denn gibt :-)) nähern, sofort Simplifizierer und Gernegrosse hängen, denen es nicht um das Eine geht, sondern darum, ihre eigenen 'Egos' ins rechte Licht zu stellen, ohne durch den mühsamen und manchmal schweißtreibenden Prozess der Erkenntnissuche zu gehen. Es ist nichts einzuwenden gegen solche Trittbrettfahrer, solange der Wagen auf der richtigen Bahn bleibt. Aber oft führt allein die Gegenwart solcher Vereinfacher/Spinner zur Abkehr der Leute, die wesentliche Erkenntnisse auf diesem Wege beisteuern könnten. Diese Leute sollten sich nicht abgeschreckt fühlen, wenn neben Ihnen plötzlich jemand von Wünschelruten und Astralwanderungen erzählt. Solange wir alle suchen, können wir nicht allzu viel zerstören...;-)

Wer sich mit diesem Thema vielleicht näher beschäftigen möchte, hier ein paar Buchempfehlungen, die nicht von Leuten geschrieben wurden, die es sich nur leicht machen wollen:

Die Illusion des Ich von Alan Watts. In den Sechzigern geschrieben, aber man könnte denken, es wäre dieses Jahr gewesen! Ein sehr guter Autor, dessen zahlreiche anderen Publikationen ebenfalls lesenswert sind (z.B. "The Way of Zen").

Das bewusste Universum von Amit Goswami. Ein Physikprofessor, der auch ein gutes Lehrbuch über Quantentheorie verfasst hat. Als Inder und Sohn eines Gurus kann er recht souverän über breite Gräben springen. Das Buch versucht, die Verbindung zwischen moderner Physik und dem monistischen Idealismus zu verdeutlichen.

Die Entstehung der Realität von Jörg Starkmuth. Der Autor ist ein Suchender aus dem naturwissenschaftlichen Lager, der dieses Buch im Eigenverlag veröffentlicht hat. Faszinierend ist die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit des Autors in der Argumentation. Leider gleitet er manchmal ein wenig schmerzhaft in Erzählungen seiner Freunde der Glückssucher und Kartenleger ab, die aber glücklicherweise keinen Schaden an seiner Argumentation anrichten. Das Buch ist eigentlich ein Sahnestück, weil es versucht, das schwierige Thema aus einer naturwissenschaftlichen Perspektive zu beleuchten. Das Buch liefert erstaunlich viele Aha-Erlebnisse und ist daher allein schon lesenswert.
Wäre es in Englisch, wäre es ein Bestseller!

Die Physik der Träume von Fred A. Wolf. Der Autor ist ein Quantenphysiker, der sich in diesem Buch zwar zunächst den Träumen widmet (mit vielen guten Fakten aus der Traum- und Gehirnforschung), später aber auf das kosmische Bewusstsein eingeht. Sehr interessant geschrieben.

2006-11-14

Die Welt von heute

Wir leben in einer modernen, technischen, naturwissenschaftlich geprägten Welt. Die Bedeutung der Religionen nimmt zwar immer mehr zu, aber in gleichem Maße wird die Welt an sich immer technischer. Der Fortschritt der IT-Branche erfolgt in einer noch nie dagewesenen Geschwindigkeit und die Menschen folgen dieser Entwicklung, ob sie wollen oder nicht.

Umso mehr schockiert es mich, wenn ich feststellen muss, dass die meisten Menschen ein naturwissenschaftliches Weltbild haben, das vor etwa 100 Jahren aktuell war. Und dieses Weltbild ist leider auch ziemlich materialistisch orientiert.

Nun kann man nicht von allen Leuten verlangen, sich in die Tiefen der Physik zu versenken, die die materialistische Denkweise schon ziemlich verlassen hat (Wahrscheinlichkeitsamplituden, virtuelle Teilchen, 11-dimensionale Räume, etc.). Aber sich die Welt und insbesondere das Atom wie ein Planetensystem vorzustellen, ist schon seit etwa 100 Jahren nicht mehr Stand der Dinge.

Es gab eine Zeit, in der das vielleicht noch zu entschuldigen war, als die Teilchenphysiker fast monatlich neue Teilchen in ihren Beschleunigern entdeckten und langsam die Namen für diese Teilchen ausgingen. Wann immer die Energie in diesen Beschleunigern auf engstem Raum komprimiert wurde (hohe Energiedichte) manifestierten sich völlig neue und unbekannte Teilchen.

Seit Aufstellung des Standardmodells der Physik, Ende der 1960er, ist dies aber vorbei. D.h. es manifestieren sich bei hoher Energiedichte zwar immer noch Teilchen. Diese Teilchen sind aber nicht unbedingt elementar, sondern sind aus kleinen, fundamentalen Bausteinen zusammengesetzt. Diese fundamentalen Bausteine sind Grundlage des sogenannten Standardmodells der Physik. Und diese Bausteine sind nicht das Proton oder das Neutron. Das war einmal...

Die neuen fundamentalen Teilchen sind zwar ein wenig zahlreicher, aber sie sind deutlich überschaubar und man kann nicht mehr von einem Teilchenzoo sprechen, wie das in der Mitte des 20. Jahrhunderts der Fall war.

Ich möchte daher in diesem Blog in aller Kürze die Teilchen des Standardmodells aufzählen, damit die etwas moderneren Leser beim nächsten Smalltalk auf der Party mit modernen Weltbildern glänzen können.

Zunächst werden alle Teilchen in 2 Gruppen eingeteilt:
  1. Fermionen
  2. Bosonen
Die Fermionen sind die Teilchen, die man gewöhnlicherweise als Teilchen bezeichnen würde. Sie besitzen für den Physiker eine charakteristische Eigenschaft: Sie besitzen einen halbzahligen Spin. Was ein Spin ist, hat uns hier nicht zu interessieren (es reicht: man kann ihn messen), und halbzahlig ist z.B. 1/2, 3/2, 5/2, ...

Man ahnt es schon: Die Bosonen besitzen einen ganzzahligen Spin (0,1,2,...)

Die Fermionen kann man ebenfalls in zwei Gruppen unterteilen, den Leptonen und den Quarks. An Leptonen gibt es erstmal (warum erstmal? Antwort kommt gleich) das Elektron und das sogenannte Elektronneutrino (kurz: Neutrino). An Quarks gibt es das up-Quark und das down-Quark. Aus 3 Quarks werden jeweils das Proton (p=uud) und das Neutron (n=udd) gebildet, die daher nicht mehr (im Gegensatz zum Elektron) als fundamentale Teilchen gelten können. Das war's auch (erstmal) schon bei den Fermionen.

Bei den Bosonen sieht es (erstmal) ähnlich einfach aus: Es gibt das Photon, das W+ Boson, das Z0 Boson und das W- Boson und das Gluon.

Vorhin hatte ich gesagt, dass Fermionen gewöhnlich von uns als richtige Teilchen gesehen werden; das liegt daran, dass die Bosonen nur die Wechselwirkung zwischen diesen gewöhnlichen Teilchen übertragen; sie sind sozusagen Klebeteilchen und diese Klebeteilchen können nur gewisse gewöhnliche Teilchen verkleben. [Für den neugierigen Leser: die Bosonen sind sozusagen Quanten eines Feldes, auf das die jeweiligen Fermionen reagieren können]

Das Photon vermittelt die elektromagnetische Kraft, das sogenannte Vektorboson (W+,Z0,W-) vermittelt die sogenannte schwache Kraft und das Gluon vermittelt die starke Kraft. Es gibt zwar noch die Gravitationskraft als weitere Kraft, aber die Physiker besitzen zur Zeit nicht den blassesten Schimmer, wie diese irgendwo ins Standardmodell einzuordnen ist.

Ok, das war's auch schon (erstmal). Das kann man sich doch für ein modernes Weltmodell und die entsprechende Bewunderung auf Smalltalk-Partys merken, oder?

Und falls Ihnen mal ein Mensch auf so einer Party begegnet (im folgenden der vorwitzige Party-Besucher), der dieses Blog vielleicht auch gelesen hat und der Ihnen die Show stehlen möchte: Fragen Sie Ihn dann doch einfach: warum denn immer dieses (erstmal) mitgenommen wurde?

Ab hier sollten dann nur Sie weiterlesen, nicht dieser vorwitzige Party-Besucher!

Das (erstmal) kommt daher, dass das nicht die ganze schöne Wahrheit ist, sondern das Ganze noch ein wenig erweitert werden muss. Also, zum einen gibt es die Antimaterie: Jedes bisher (und in Zukunft) erwähnte Teilchen besitzt einen Zwilling, der mit dem Teilchen in all seinen Eigenschaften identisch ist, bis auf die gegensätzliche elektrische Ladung. Teilchen ohne elektrische Ladung (wie z.B. das Photon) sind dann konsequenterweise ihre eigenen Antiteilchen. Damit haben Sie eindeutig den vorwitzigen Party-Besucher in seine Schranken verwiesen, weil Sie auf einen Schlag die Anzahl der gewußten Elementarteilchen verdoppeln konnten. :-)

Aber halt! Bis hier hätte der vorwitzige Party-Besucher ja auch lesen können und er hätte Ihnen das schon einfach vorwegnehmen können. Um etwas dagegen zu setzen, hat Ihnen die Natur natürlich noch eine Jokerkarte zur Verfügung gestellt: Die aufgezählten Teilchen bei den Fermionen sind nur Mitglieder einer Familie von insgesamt drei Familien. Das heisst es gibt noch zwei ähnliche Familien von Teilchen, die bis auf ihre Masse sonst gleiche Eigenschaften besitzen. Für die Fermionen kommen also zum Elektron und Elektronneutrino noch die zwei Familien Myon und Myonneutrino und Tau und Tauneutrino hinzu, natürlich jeweils mit ihren Antiteilchen. Und zum up- und down-Quark gesellen sich noch das charme- und strange-Quark und das top- und bottom-Quark hinzu.

Sie haben also die Anzahl der Teilchen jetzt nicht nur verdoppeln, sondern die Anzahl der Fermionen gleich verdreifachen können!!

Jetzt können Sie erstmal einen Schritt zurücktreten, langsam am Glas nuckeln, das auf diesen Partys ja immer in der Hand zu halten ist, sonst würden die Arme affengleich vom Körper baumeln, und mit Ihrem Blick in andere Sphären gleiten...

Wenn jetzt der vorwitzige Party-Besucher noch immer nicht aufgeben will und anfängt über die Masse zu zetern, die die Teilchen besitzen und die vermeintlich blöde Frage in den Raum stellt "Warum haben denn die Fermionen in den Familien alle verschiedene Massen und warum haben Sie überhaupt Masse?" wird es doch langsam knifflig für Sie.

Sie können nur hoffen, dass der vorwitzige Party-Besucher sich jetzt nicht selbst seine rethorische Frage beantwortet,

'Tja, es gebe eben noch ein weiteres Teilchen, das sogenannte Higgs-Boson, dass sozusagen der Überträger des Massefeldes sei. Es sei leider noch nicht beobachtet worden, weil es sehr, sehr massereich sei und in den Beschleunigern die Energiedichte bisher noch nicht ausreiche, um es erscheinen zu lassen, aber die Physiker seien sich sicher, dass sie es bald finden würden.'

Damit hätte er dann die endgültige, also finale, Verwirrung bei den übrigen Party-Gästen erzeugt, um ihn ein für allemal in den Olymp der Party-Physiker eingehen zu lassen.

Das wäre es dann für Sie, Sie Möchtegern-Guru ;-)

Ein Schuss in den Ofen!

Sie Angeber!

Wer hat Sie überhaupt eingeladen...!

Aber ich will ja nicht unbarmherzig sein :-): Antworten Sie dann einfach folgendes:
'Ja, ja (Stimme muss beiläufig klingen!)
die Physiker vermuten ja stark, dass es zu jedem Fermion ein Teilchen gibt, dass bis auf den Spin identisch ist und den Spin eines Bosons besitzt, und dass es zu jedem Boson ein sonst identisches Teilchen als Fermion gibt, man nennt sie die sogenannten Superpartner oder auch Steilchen (aufgrund einer sogenannten Symmetriebrechung der Supersymmetrie). Man hätte dann die Anzahl der fundamentalen Teilchen wieder verdoppelt. Aber das ist noch Zukunftsmusik und noch nicht bewiesen...'

Das sollte genügen!
Das gehört allerdings nicht mehr zum gesicherten Standardmodell und weist ein wenig über das moderne Weltmodell hinaus, aber man sollte schon das letzte Wort haben! ;-)

Wenn er das dann noch wirklich toppen kann, dann rate ich Ihnen, sich unauffällig zurückzuziehen ("Ich habe noch einen dringenden Termin...") oder fragen sie ihn einfach, wo er denn Physik studiert hätte und fragen ihn nach Anekdoten aus seiner Studienzeit und sie haben damit geschickt das Thema gewechselt...;-)

2006-10-30

Addon zu: Viele interessante Personen

Was ist interessant?

In einem Kommentar zu einem früheren Posting möchte ein Jorge wissen, was dieser Typ Frau wohl suchen mag.

Das klingt interessant! Da ich noch immer ein wenig in diesem Thema stecke, muß dieser Frage gleich nachgegangen werden. ;-)

Was meint denn nun dieser Typ Frau mit interessant??

Es klingt hart, aber meiner Meinung nach meint dieser Typ Frau gar nichts!

Das muß ich wohl erklären. :-)

Anhand der Zielgruppe, die dieser Typ Frau in der Regel zum Finden von interessanten Personen auswählt (die Promis, die Besonderen, die Künstler), offenbart sie, dass sie selber keine Möglichkeiten besitzt, die interessanten Leute von den uninteressanten Leuten zu trennen. Sie muß sich vielmehr ein externes Gütesiegel besorgen, dass in diesem Falle von der Gesellschaft geliefert wird.

Die Anderen machen aus normalen Personen Promis, die Anderen definieren jemanden als Künstler, die Anderen legen fest, was das Besondere ist. Ohne diese Urteile und Wertungen dieser Anderen, wäre dieser Typ Frau nicht alleine in der Lage, zu erkennen, ob an dieser oder jener Person etwas Besonderes ist. Denn schon zum Erkennen des Besonderen, benötigt man Erfahrungen.

Für ein Kind ohne viel Erfahrungen ist entweder alles Besonders oder gar nichts oder mal dies und mal das. Es sucht. Es bildet sich langsam eigene Urteile. Je mehr Erfahrungen dieses Kind erwirbt, desto sicherer kann es das Interessante vom Unwesentlichen unterscheiden. In letzter Konsequenz ist dies tatsächlich überlebenswichtig.

Macht man zu wenig Erfahrungen, erwirbt man diese Fähigkeit nur in ungenügendem Maße.

Bevor der Leser aufstöhnt, sollte man aber gewisse Begriffe auseinanderhalten:

Erfahrungen sind nicht Erlebnisse! Erfahrungen sind vielmehr verarbeitete Erlebnisse. Ich kenne Personen (z.B. meine Tante, aber auch andere), die haben mehr als die halbe Welt bereist und haben eine Menge erlebt; sie haben aber keine Erfahrungen aus diesen Erlebnissen gewonnen. Sie sind durch die fremden Länder als typische Touristen gereist und haben fremde Kulturen nicht aufgenommen und verarbeitet, sondern konsumiert, wie man Soap Operas konsumiert (auch im Rest des Lebens kann man wie ein Tourist durch das Leben kommen).
Die Zeit oder vielleicht auch die Fähigkeit der Reflexion dieser Eindrücke fehlte. Oder vielleicht war auch kein Fundament oder kein Netz vorhanden, auf das diese Eindrücke aufgebaut bzw. in das sie eingewebt werden könnten.

So kommt es, dass diese Leute hektisch von Event zu Event hecheln, irrsinnig viele Sachen erleben, aber eigentlich nie so richtig etwas erfahren.

Das führt dann in weiterer Konsequenz dazu, dass diese Leute verzweifelt nach Maßstäben suchen, nach Kriterien, was hip oder out ist, was besonders oder alltäglich ist, was interessant oder uninteressant ist. Da kommen Definitionen der Gesellschaft dann wie gerufen.

Je mehr Erfahrungen man aber gemacht hat, desto sicherer kann man das Interessante vom Uninteressanten trennen (was allerdings auch nicht statisch ist und sich im Leben öfters mal verändern kann). Deswegen mag ich das Suchen der vielen interessanten Leute noch eher bei jungen Menschen tolerieren als bei älteren. Im Alter sollte man das Gespür dafür entwickelt haben. Ich sage extra Gespür, weil es nicht in Form einer expliziten Definition erfasst werden kann (Interessant ist: ...), sondern meistens auch ein sogenanntes Bauchgefühl ist (das ist ja das schöne am Menschen :-) ).

Nun wird dieser Typ Frau vielleicht auch irgendwie ein Bauchgefühl haben, aber unter Umständen sagt dieses Bauchgefühl nur: 'Oh das kommt mir bekannt vor, das klingt interessant!' oder 'Man, ist der berühmt...(staun)...und der will mit mir sprechen!'. Es fehlt an Reflexionen von etwas Neuem.

Die Tatsache, dass die Anderen schon für diesen Typ Frau entschieden haben, dass jene Person etwas Besonderes ist, führt dazu, dass die eigene Urteilskraft nicht geschult wird. Das wiederum
führt dazu, dass eigene Erfahrungen aus den Erlebnissen nicht gemacht werden. So wird das über Jahre und Jahre immer schlimmer...

Das meine ich also damit, wenn ich sage, dass nichts damit gemeint ist. Genauer: sie meinen etwas damit, was durch die Anderen definiert wird, von dem sie aber nicht wissen, wie es definiert wird, sondern nur, dass es definiert wurde ;-)) .

Ich weiss nicht, wie es dem Leser geht, aber bis auf die Ausnahmen, in denen mir erst hinterher klar wird, dass ich einen aussergewöhnlichen Charakter vor mir hatte (so etwas ist schon vorgekommen), verspüre ich schon relativ schnell ein Gefühl des Besonderen. Oft weiss ich nocht nicht einmal warum.
Das ist wie Musik die ich nebenbei im Radio höre:
Manche Leute können einfach so nebenbei Musik hören ohne eigentlich richtig zuzuhören; wenn ich nebenbei Musik höre und ich höre ein interessantes unbekanntes Stück, klingelt es bei mir sofort und mein Fokus wechselt auf die Musik. So als wäre ein zweiter Thread bei mir am Laufen, der sofort reagieren kann. Ähnlich sucht ein weiterer Thread wahrscheinlich nebenbei immer nach außergewöhnlichen Charakteren, ohne dass es mir bewusst ist.

Auch wenn das jetzt gerne missverstanden wird, aber es ist vielleicht so, wenn man als einziger Mensch nur unter Affen ausgesetzt wird und um der Einsamkeit zu entkommen sucht man dort verzweifelt nach irgendeinem Zeichen, einem Funkeln in den Augen der Primaten, das sagt: 'Ich bin auch hier ausgesetzt worden, ich gehöre auch nicht hier her, bitte verstehe mich!'. ;-) Das ist auf keinen Fall zu verwechseln mit 'Ich bin ein Star, hol mich hier raus!'

Da ich nicht alles in diesem Blog abdecken konnte, was vielleicht interessant an diesem Thema ist, hier noch zwei Lektüreempfehlungen, von denen ich denke, dass sie auch abseits dieses Themas sehr erhellend sind:

Esther Vilar: "Der betörende Glanz der Dummheit", dtv, 1998 ,(ISBN 3423361069)

oder etwas älter, aber dafür ebenso gut und deutlich fundamentaler:

Friedrich Waismann: "Wille und Motiv" (habe ich leider nur als Reclamausgabe)

2006-10-28

Dr. Harald Schink ist tot

Vor zwei Wochen starb Dr. Harald Schink an den Folgen eines Motorradunfalls.

Er war ein guter Freund und Kollege.

Er war ein genialer Physiker und beeindruckender Mensch.

Mit ihm habe ich viele Nächte in Physiklaboren verbracht. Von ihm habe ich viel lernen können.

Er war ein Mensch, der immer seinen eigenen Weg verfolgte und daher oft
formale Schwierigkeiten hatte, gegen die er sich meistens erfolgreich gewehrt hatte.

2006-10-27

"Viele interessante Personen"

Manchmal kommt es tatsächlich vor, dass ich mit relativ unbekannten Frauen in Gesprächskontakt komme ; entweder auf Veranstaltungen oder Parties oder wie neulich, weil ich eine Kollegin angesprochen habe und mich mit ihr zu einem Kaffee treffen wollte. Dann scheine ich auf die Frauen einen irgendwie interessanten Eindruck zu machen (ich weiss noch immer nicht so richtig warum!) und man kommt schnell in ein Gespräch.

Was ich bemerkt habe ist, dass ein gewisser Typ Frauen früher oder später zu mir sagen wird:
'Ich mag es, in diesem oder jenem Kreis zu sein, weil ich dort so viele interessante Menschen kennenlernen kann'. Darauf will ich hinaus.

Die Männer unter den Lesern sollten, sich mal explorieren, ob sie diesen Satz schon mal irgendwann gehört haben...Hoffentlich nicht bei ihrer Freundin, denn das wäre (um es vorweg zu nehmen) dann vielleicht nicht so der richtige Typ, um mit ihr alt zu werden (es sei denn man tickt irgendwie ähnlich. Aber dann arbeitet man wahrscheinlich in der erweiterten Werbebranche oder ist Manager).

Also zurück zum Thema:

Erinnert habe ich mich an diesen Satz im Sommer '06 auf unserer Abitur-Jubiläumsfeier. Dort hatte ich zwei Schulfreundinnen getroffen, mit denen ich damals kurz zusammen war. Sie waren damals richtige 'Feger', hinter denen jeder her war. Damals hatten sie mir beide unabhängig voneinander nebenbei auch erzählt, dass sie mal später Model werden wollten oder aber in die Szene der Prominenten (damals hießen sie noch Stars;-) ) rein wollten, weil man ja da (jetzt darf man raten:) 'so viele interessante Leute kennenlernt'. Damals habe ich das gar nicht richtig wahrgenommen und es hatte für mich auch keine Konsequenzen ;-)).

Nur: diese beiden Frauen hatte ich nun nach zig Jahren wieder vor der Nase (älter geworden, aber rein äußerlich nicht unbedingt häßlich!) und mir wurde erzählt, dass sie wohl beide Karriere bei der Zeitschrift Vogue gemacht hatten (wohl zuerst vor der Linse, später dann wohl in leitenden Positionen (Design / Modelagent)).
Und sie konnten sich natürlich auch nicht verbeißen, mir indirekt davon mitzuteilen:
...neulich in New York... und ...der Jauch ist ja auch ganz nett... usw., kurz: man ist in der ganzenWelt zuhause und kennt alles was einen bekannten Namen hat. Nach fünf Minuten war ich von dieser Unterhaltung so angepisst, dass es mir echt im Herzen weh tat, dass diese beiden Mädchen mal eigentlich ganz nette Personen waren, mit denen man ganz gut reden konnte (vor zig Jahren) . Jetzt war das unmöglich! In ein Ohr rein, und aus hygienischen Gründen durch das andere wieder heraus! Diese Frauen waren nicht nur auf dem Wege ihrer geistigen Reifung (die eigentlich jeder von uns Jahr für Jahr erfährt und manchmal in kleinen, unbemerkten Schritten erfolgt) stehengeblieben, ich hatte vielmehr den Eindruck sie wären ein Stückchen rückwärts gelaufen. Die Blödheit war penetrant! Wie in all diesen schlechten Klischees im Fernsehen! Verglichen mit den heutigen Gesprächen mit den damals blasseren Gestalten (den Mauerblümchen), die in den zig vergangenen Jahren vielleicht vielmehr Schicksalsschläge verarbeitet hatten (ja, nicht nur bekommen, wie wir wahrscheinlich alle, sondern auch wirklich _verarbeitet_ hatten) waren die Gespräche mit den beiden 'Schönheiten' nur nervtötend. Die innere Schönheit der damaligen Mauerblümchen war in den zig Jahren so aufgeblüht, dass sie in meinen Augen die äussere Erscheinung überstrahlte. Während die beiden Vogue-Mädchen zwar eine heute angesagte 1a Modellfigur hatten (zumindestens die eine!) aber, man muss es leider so sagen, durch ihre unreife Art irgendwie auch äußerlich häßlich wirkten.

Daher stammten also die Erinnerungen an diesen Satz, als ich diesen Satz jetzt wieder von der erwähnten Kollegin hörte, als sie mir erklären wollte, das sie ja gerne mit mir reden wolle, aber nur, weil sie es grundsätzlich mag, mit 'so vielen interessanten Leuten' zu reden.

Da diese Formulierung in meinen Ohren eigentlich unverständlich ist (bin ich interessant? oder bin ich es nicht? und wer ist interessant? und wer ist es nicht?), machte ich mir so meine Gedanken über diese schon öfters gehörte Wendung.

Was meinen all diese Frauen mit den 'vielen interessanten Personen'???
Jetzt erst sind wir beim Hauptthema dieses Blogs!

Die beiden Vogue-Mädels waren zwar nicht wirklich signifikant, aber immerhin schon mal ein erster Hinweis, dass das irgendwie in die Hose geht!
Soll heissen: Das Kennenlernen so vieler interessanter Personen scheint bei diesen Beispielen ja eher ein negatives Resultat erbracht zu haben (ja ich weiss: in meinen Augen, aber darum geht es eben in meinem Blog; s.u. These 2).

Manchmal hört man diese besagte Formulierung auch bei sogenannten Promi-Parties, wenn so ein blondes Dummchen vor die Kamera läuft. Da kann ich mir dann auch immer schlecht vorstellen, dass dieses Mädchen in 10 oder 20 Jahren, durch den Besuch dieser vielen Promi-Parties oder durch sonstwelche Beziehungen zu den vielen interressanten Leuten, mir irgendetwas Wesentliches zu erzählen hätte (außer vielleicht, dass sie die Nacktfotos beim Playboy niemals gemacht hätte, wenn sie nicht so viel 'wirklich erotischen und ästhetischen Gehalt' hätten; viel, viel später wird das dann nur noch lapidar zu 'ich war jung und brauchte das Geld'. Diese sarkastische Bemerkungen lag so in den Fingern ;-)).

Aber wahrscheinlich bin ich ungerecht. Nennen wir sie nicht Dummchen, sondern neutral dieser Typ Frau (ähnlich wie bei Harry Potter: duweistschonwer).

[Seltsamerweise findet man nur selten Männer, die dieses Verhalten zeigen. Männer haben interessant zu sein, aber sie suchen in der Regel so etwas nicht, weder unter Männern noch bei Frauen (jedenfalls sagen sie nicht, dass sie es suchen). Diese Tatsache ist sicher bedeutsam und könnte man zur Klärung auch mitbenutzen, weil sie viel über die Motivation aussagt. Ich werde das hier aber aus Platz- und Zeitgründen mal unter den Tisch fallen lassen.]

Woran liegt es also, dass trotz des aufrichtigen Wunsches, viele interessante Leute
kennenzulernen, diesen Frauen kein Erfolg beschieden ist?

These 1: Dieser Typ Frau und die vielen interessanten Personen geben ihr Bestes, aber leider können die vielen interessanten Personen nichts gegen die genetische Veranlagung dieser Frauen ausrichten.

These 2: Ich sehe das ganz falsch. Dieser Typ Frau hat in der Tat von den Kontakten profitiert und ist sehr wohl gereift! Da aber ich nicht mit so vielen interessanten Leuten zusammen war, kann ich das bloß nicht erkennen!

These 3: Dieser Typ Frau hat zwar von den Kontakten profitiert, kann es aber eben nicht so richtig rüberbringen wie es die wirklich vielen interessanten Leute selber können.

These 4: Die vielen interessanten Leute geben ihr Bestes, dieser Typ Frau auch,
aber das Gewünschte läßt sich vielleicht gar nicht so einfach übertragen; der Fehler liegt am falschen, nicht richtig funktionierenden Kommunikationskanal!

These 5: Die vielen interessanten Leute haben gar nichts zu bieten, d.h. sie sind eigentlich gar nicht so interessant oder anders: die Definition dieser Typ Frau von 'interessante Leute' ist eine andere, als meine Definition von interessanten Leuten! Das klingt ein wenig nach These 2.
Der kleine Unterschied ist aber hier, dass ich hier die unterschiedlich Definition des Begriffs untersuche, aber in These 2 die Definition ja durchaus gleich ist.

Nun denn, gehen wir ans Werk:

zu These 1): Erstens statistisch unwahrscheinlich (müsste sich irgendwie durch die Massen an dieser Typ Frauen rausmitteln)! und zweitens glaube ich auch nicht, dass die genetische Veranlagung bei diesem Lernverhalten eine so dominierende Rolle spielt. Beide Gegenargumente verpuffen allerdings, wenn (jetzt langsam lesen:) die genetische Disposition die Affinität zu den vielen interessanten Personen an das gleichzeitige Unvermögen, von dieser Gruppe zu lernen, koppelt. So etwas Ähnliches gibt es zwar in der Genetik (vgl. W. Bateson und R.C Punnet,[Evol.Comm. R. Soc. Report 3 (1906)] , guckt sowieso keiner nach, stimmt aber!) , ich halte das dann aber doch für entsprechend sehr, sehr unwahrscheinlich.

zu These 2): Könnte in der Tat stimmen! Dann lesen Sie aber das falsche Blog. Ich empfehle Ihnen dann, das Blog von Claudia Schiffer oder wie auch immer die aktuelle Schönheit heissen mag, zu lesen! Hier sind sie dann ganz falsch!.

zu These 3): Das lasse ich einfach nicht gelten. Wenn man irgendwie davon positiv profitiert hat, sollte man das auch irgendwie (wenn auch nicht perfekt) artikulieren können! Oder glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass ich die Relativitätstheorie verstanden habe, ich Ihnen das aber nicht so einfach erklären kann? Stimmt! Sie könnten es mir tatsächlich glauben! Also ok, es kann Sachen geben, die man im Prinzip verstanden hat, aber nicht so richtig erklären kann. Der Gehalt eines Witzes wäre ein anderes Beispiel: Witze kann man verstehen, aber jemandem den Witz zu erklären, muß nicht dazu führen, dass der andere den Witz auch verstanden hat und deswegen auch lacht. Die Fähigkeit zu Verstehen und das Vermögen, dies auch vermitteln zu können, muß daher nicht unbedingt zusammen auftreten. Lassen wir die These also bedingt zu. Bedingt deshalb, weil dieser Typ Frau damit nicht selber in den Kreis der vielen interessanten Leute aufrückt, weil sie ja nichts weitergeben kann (um bei der Biologie zu bleiben: also eher nur ein Phänotyp als ein Genotyp ;-)). Wir merken uns: These 3 bedingt! Nennen wir das Ergebnis die stumme Weise. Auf dieses Ergebnis gehe ich im folgenden aber nicht weiter ein, weil das Ergebnis für mich (und sicher auch für diesen Typ Frau) einfach zu tragisch ist.

zu These 4): Tja schade! Ob es nun der Kommunikationskanal ist oder nicht, für diesen Typ Frau bringt es nichts. Wäre zu überlegen, ob man das vielleicht nicht verbal/auditiv aufnimmt, sondern vielleicht oral?. Vielleicht muß man die vielen interessanten Leute abschlecken. Oder haptisch? Man muß die vielen interessanten Leute betatschen und abfummeln! Oder über das vomeronasale Organ? Sich immer dicht an den vielen interessanten Leuten halten und tief einatmen! Oder gar genital...das will ich hier aber nicht weiter ausleuchten! Ich gehe mal davon aus, dass von den verschiedenen Aspirantinnen alle Wege mehr oder weniger ausgetestet worden sind. Wenn ein bestimmter Übertragungsweg besonders gut funktioniert hätte, hätte sich dieses Verfahren per natürlicher Selektion irgendwie durchgesetzt und man hätte Erfolge gesehen. Also kann man davon ausgehen, dass, wenn nichts kommuniziert werden kann, es auch nichts zu kommunizieren gibt. [Das ist wie in der Physik: Teilchen, schneller als das Licht (Tachyonen) könnte es theoretisch geben. Es gibt sie aber einfach faktisch nicht, weil man sie praktisch und eigentlich auch theoretisch niemals messen könnte.]

zu These 5): Ja, das ist mein Favorit. Also: Dieser Typ Frau und ich verstehen unter dem Ausdruck viele interessante Leute etwas total Unterschiedliches (das bezieht sich natürlich nur auf die Semantik des Wortes interessant)! Zunächst will ich mal versuchen, anhand der Zielgruppe die Definition herauszuarbeiten, die dieser Typ Frau wohl hat.
Wenn dieser Typ Frau diese Kreise mit so vielen interessanten Personen beschreibt, sind das meistens Prominente (überwiegend, der Rest kommt gleich). Was haben Prominente gemeinsam? Gut, sie sind prominent! Wie wird man prominent? Man leistet Außergewöhnliches, wie z.B. Veronika Feldbusch/Pooth...gut, das war absichtlich daneben geschossen! Man leistet Außergewöhnliches wie z.B. Michael Schumacher, der ganz schnell im Kreis fahren kann! Klingt doch interessant! Oder....Thomas Gottschalk, der kann immer so schön Grinsen und die Frauen angrabbeln! Naja, klingt ja auch ein bischen interessant. Oder...Angela Merkel, die ist zur Zeit der oberste Boss und weiss wo es lang geht, oder zumindestens zeigt sie uns, wo es lang geht, oder zumindestens will sie uns zeigen, wo es lang geht. Klingt auch irgendwie interessant...naja!
Oder....Brad Pitt. Der ist bestimmt ein interessanter Typ...Ich kenn zwar einen, der in einer Autowaschstraße arbeitet, der sieht genauso aus wie Brad, aber was ist Aussehen schon? Die inneren Werte von Brad zählen ja. Oder nicht? Er ist ja so furchtbar nett! Naja, lassen wir das mal so stehen...Also ich muß ehrlich sagen, ich würde meinen Wecker nicht stellen, um einen Termin mit einer dieser Personen einzuhalten, da wäre mir mein Schlaf wichtiger. Und das ist keine Metapher, sondern ich meine es tatsächlich so! Also der Promistatus alleine kann schon mal keine Übereinstimmung (zwischen mir und diesem Typ Frau) in der Definition von viel interessante Leute liefern. In meinen Augen können Promis interessant sein, aber sie müssen es nicht! Wer Promi sein möchte, besitzt in meinen Augen sogar Eigenschaften, die mich nicht die Bohne interessieren! Ich möchte sogar behaupten, dass unter den Promis unterdurchschnittlich viele Personen interessant sind, verglichen mit der normalen Bevölkerung. Würde ich interessante Personen kennenlernen wollen, versuchte ich die Prominenz eher zu meiden. Das heisst nicht, dass es auch Prominente gibt, die interessant sein können, aber in meinen Augen tritt eben in dieser Gruppe diese Eigenschaft seltener auf! Das entspricht einfach meiner kleinen Erfahrung (...und ich kann mit Stolz behaupten, dass ich schon Korrespondenz mit 2 Nobelpreisträgern hatte und auch mit bekannten Fernsehmoderatoren auf Du bin ;-) . Und Jörg Pilawa hätte ich heute in Hamburg immerhin fast überfahren! :-)) ). Wir halten also fest: Bei Promis hat dieser Typ Frau und ich unterschiedliche Einschätzungen des Interessantheitsgrades!

Was gibt es noch, was dieser Typ Frau anvisiert, wenn es diese besagten Kreise meint?
Es sind Leistungsträger! Also nicht in meinem Sinne: Leistungsträger tragen die Leistung fort, die andere erbracht haben ;-) , sondern im allgemein anerkannten Sinn: Leistungsträger, das sind die starken Löwen, die MarathonMen, die IronMen, die Künstler, die Kreativen, die Besonderen eben!

Nun, Löwen kenne ich keine, aber hochrangige Manager kenne ich persönlich, die mehrere Tausend Personen unter sich haben und in gewisser Weise für deren Schicksal verantwortlich sein sollten. Nun, ich muß sagen, ich kenne sie schon aus Schüler- oder Studentenzeiten, deswegen möchte ich mich mit einer harschen Kritik zurückhalten, aber so richtig interessant sind mir die niemals vorgekommen, eher uninteressant (früher sogar Knallköppe oder schon damals charakterliche Ruinen). IronMen/MarathonMen kenne ich keinen persönlich (d.h. keinen von internationalem Ruf), vielleicht sind die ja interessant? Welche
Kraft treibt diese Leute, ihren Körper so abzustrafen? Wäre schon mal interessant, das zu erfahren...aber außer den Sachen mit den Endorphinen wird man da wohl nicht Neues hören.
Fixierung des kompletten Lebens auf ein kleines Ziel (wie bei Bergsteigern, da wird der Berg ja oben auch meist kleiner im Querschnitt).
Nunja, bedingt interessant für mich, aber meine Begeisterung hält sich auch hier in Grenzen. Fixierung auf Details kann man auch als neurologische Ausfallerscheinung betrachten, die die breit angelegte Fähigkeit des gesunden Großhirns auf einige Spezialgebiete reduziert, die dann mit besonderer Intensität betrieben werden (Idiot Savant hießen diese Leute früher). Nicht gerade mein Vorbild. Ich habe immer versucht, genau das zu vermeiden. Wenn es irgendwo zu gut lief, habe ich mir was anderes gesucht. Also nicht gerade interessant für mich.
Künstler, die Kreativen und die Besonderen? Einige scheinen sehr interessant zu sein, das sind dann aber eher diejenigen, die sich eigentlich nicht ins Licht drängen, sondern denen es schon fast peinlich ist, dass sie 'nur das eine' so gut können. Paco de Lucia, der Ausnahme-Flamencogittarist ist z.B. so ein Typ. Aber oft sind es Egomane oder eindimensionale Wesen.Obgleich ich oft Respekt für deren Leistungen aufbringen kann, sind sie aber von der gesamten Persönlichkeitsstruktur eher wenig interessant für mich. Am Erfolg oder der Berühmtheit ausgerichtete Leben, berechenbar und für mich eigentlich gut verständlich. Manche mögen sich extrem gut vermarkten können, aber sorry, es juckt mich nicht. Es ist eine Fähigkeit, die ich nicht besitze, aber die ich auch nicht besitzen möchte.
Also auch hier: Unterschiedliche Bewertung des Interessantheitsgrades dieser Gruppe.

Ich bin aber auch ein Nörgler! Finde ich denn keine anderen Personen interessant (womöglich etwa nur mich selber?!)? Naja, da gibt es schon welche. Aber ich habe Schwierigkeiten, die irgendwie zu klassifizieren oder zu gruppieren. Dann wären sie nämlich nicht mehr interessant. Es sind z.B. Leute, wie der Spinner in der Hotellobby, der mich und meine Kollegin abends in Augsburg 2 Stunden volltextete und mich faszinierte, weil er bruchstückhaftes Wissen auf allen Gebieten auf die geschickteste Art zusammenpackte. Er wurde wohl von einem Professor der 'heilige Martin' genannt, wie er selbst berichtete, was ihn irgendwie richtig beschreibt. Kein religiöser Mensch, aber ein Sucher, ein Forscher in seinem eigenen Universum. Auf der Suche, nach dem Sinn. In meinen Augen waren seine Theorien völlig löchrig und spinnig, aber solche Leute bringen die Welt auch vorwärts weil sie anders ticken.
Oder der Lebenskünstler, der in meinem Jahrgang ein Super-Abi machte und dann Anthropologie studierte und nun als Obdachloser durch die Gegend zieht,
oder der Physiker Lee Smolin, der als renommierter Physiker der etablierten Physikergemeinde aufzeigt, dass es dort mittlerweile wie in einer Kirche zugeht, oder auch der Angestellte, der seine Wünsche und Hobbys über ein komplettes Arbeitsleben irgendwie am Leben gehalten hat und lebendiger und mitfühlender Mensch geblieben ist, oder die Mutter, die ein Kind in Afrika erfolgreich groß gezogen hat, oder das Leben des toten Soldaten auf dem Friedhof der Helden (wenn er denn noch zu mir reden könnte)....oder...oder...oder....All das sind Personen, die für mich interessant sind, aber die ich nur unter Schmerzen in Klassen pressen kann, sie laufen mir einfach über den Weg! Da brauche ich in keine "Kreise" einzutauchen...

Das ist vielleicht der Unterschied: meine interessanten Leute laufen mir über den Weg, während dieser Typ Frau diese Leute als definierte Gruppe sucht.

Ich glaube daher, dass die These 5 stimmt: Das Suchen nach vielen interessanten Leuten ist ein sinnloses Unterfangen, da man diese Leute nach meinem Empfinden nicht in einer speziellen Kategorie findet, sondern sie eigentlich überall trifft bzw treffen kann. Gewisse Personen als
von vornherein als interessant oder nicht interessant abzustempeln führt genau zum Verlust der Wahrnehmung dieser vielen interessanten Personen.

Wer sich vorher schon die Überraschung definiert, bekommt sie einfach nicht!
(Das ist vielleicht ähnlich wie mit dem absurden Imperativ der Frau, mit dem sie aber wohl gut zurecht kommt: Überrasch mich doch mal spontan!)

Und genaus wichtig ist: Interessante Menschen kann man manchmal auch nur nachträglich erkennen, wenn man länger über die Gespräche nachgedacht hat oder vielleicht auch erst dann, wenn man andere katalysierende Erfahrungen gemacht hat, die vielleicht dieses oder jenes Gespräch in anderem Licht erscheinen lassen können.

Ich bin daher der Meinung:

Wer sich rühmt, nur die interessanten Menschen und Meinungen zu suchen, bekommt nichts!
Und das Ergebnis manfestiert sich manchmal zig Jahre später auf so grausige Weise, wie auf meiner Abi-Jubiläumsfeier.

Oder noch schlimmer: Er bekommt nur ein Echo seiner Selbst, das er fälschlicherweise für interessant hält! Eine fatale Selbsttäuschung und Selbstbeweihräucherung, die anfangs bei gutaussehenden Personen noch funktionieren mag, zig Jahre später, wenn die Schönheit schwindet, aber nicht mehr.

Oder kürzer und praktischer: Wer den Hammer in der Hand hält, sieht nur noch Nägel!

Oder anders: Wer nichts Bestimmtes sucht, kann viel Neues finden!

Wenn ich das nächste Mal eine Frau zu mir sagen höre: 'Ich suche das Gespräch mit interessanten Menschen', kann ich entspannt auf dieses Blog verweisen ;-)

2005-12-04

Man müsste...

"Sie müßten mir 1000 Euro geben!"
Wenn ich Ihnen das sagen würde, wäre Ihre erst spontane Reaktion darauf wahrscheinlich:
"Warum?"
Jeder fände das natürlich.

Trotzdem ist es eine Krankheit dieser Zeit, in allen möglichen Situationen (Talkshows, Diskussionen, Kolumnen, Workshops, Newsgroups, etc,...) Sätze mit "X müßte...!" zu beginnen ohne das zwangsläufig folgende "Warum?" auszusprechen oder zuzulassen. Meistens sind sich alle einig, dass die aufgestellte Forderung selbstverständlich ist und von keinem normal denkenden Menschen angezweifelt werden könnte.

(In den technischen Newsgruppen ist es aber immerhin schon Common Use bei Sätzen, die mit "Man müßte...!" beginnen, sofort die Forderung an den Forderer zu adressieren. Das liegt aber auch daran, das diese NGs vornehmlich aus sogenannten Machern zusammengesetzt sind und diesen der kreative Prozess des Kreierens nicht fremd ist, ja, nur mit diesem Prozess schafft man sich hier Ruhm und Ehre. Aber dieser Blog zielt nicht in diese Richtung, sondern eher in das moralische "X müßte...").

Journalisten, Politiker, Arbeigeber, Arbeitnehmer, Stammtischler, Ärzte, und viele anderen gesellschaftlichen Gruppen stellen gerne moralische Handlungsmaximen für andere gesellschaftliche Gruppen auf. So sagen Politiker und Arbeitgeber gerne, "Wir müßten den Gürtel enger schnallen"; gemeint sind natürlich die anderen. Journalisten geben den Politikern gerne den Rat, was Politker X oder Partei Y machen müßte. Beispiele findet man zuhauf und überall.

Wenn Sie solche Sätze sehen, gebe ich Ihnen den Rat, zuerst und reflexhaft nach dem "Warum" zu fragen. Das ist immer richtig!
Da diese Forderung aber an die Gruppe X gestellt ist, sollten Sie diese Frage aber auch aus der Sicht dieser Gruppe beantworten. Denn diese muß ja einen Grund haben, diese Forderung zu erfüllen. Ein Beispiel: siehe erster Absatz.

Andere Beispiele:
Sie sagen: "Politiker müßten wieder ehrlicher werden!"
Da fragt sich der Politiker doch: Warum?
Damit er gewählt wird? Wohl eher nicht! Er kann auch mit einfacheren Sachen gewählt werden. Damit er nachts ruhig schlafen kann? Träumen Sie weiter! Damit die Gesellschaft besser wird? Who cares? Stellen Sie die Forderung doch an die Gesellschaft!
Sie sehen: Solche Forderungen sind wertlos. Man kann sie überlesen. Sie haben ohne die Warum-Frage keinen Sinn. Das interessante liegt im Stellen und in der Beantwortung der nachfolgenden Warum Frage.

"Wir (d.h. Sie!) müssen den Gürtel enger schallen!"
Warum? Gibt es nicht genug für uns alle? Doch, für uns alle gibt es genug, nur nicht für manche soviel wie für andere. Also lautet doch die Forderung: "Wir müssen dafür sorgen, dass die gesellschaftlichen Unterschiede bestehen bleiben!" Und die erste Forderung ist lediglich eine Verschleierung der letzten.

"Die Arbeitgeber müßten sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung wieder bewußt werden!"
Warum? Ist das ihre Aufgabe? Wohl eher nicht! Profitiert der Arbeitgeber direkt von der Wahrnehmung seiner gesellschaftlichen Verantwortung? Nein. Es gibt daher keinen Grund für den Arbeitgeber, diese Forderung zu erfüllen. Liefern Sie einen Grund und der Arbeitgeber wird zur Profitmaximierung darauf eingehen.

Man sollte all jenen, die diese "X müßte..." Sätze absondern, sofort den Warum-Stein um den Hals binden und ihnen eine Antwort (aus Sicht der adressierten) abpressen.

Dann würden diese Lichterketten-Fanatiker und vordergründigen Gutmenschen vielleicht darauf kommen, dass diese Konditionale sicher ehrenvolle und fromme Wünsche sind, mehr aber nicht. In Diskussionen, in denen es um zukünftiges Handeln geht, ist die Beantwortung der Warum-Frage sicher nützlicher und dient der Erkenntnis sicher mehr.

"Wir müßten der Arbeit wieder Vorrang einräumen!"
Nun , an wen geht diese Forderung eigentlich? Das sollte man wohl erstmal klären, bevor man ernsthaft auf solchen Unsinn antwortet. An alle? Mmmh. Wer kann denn der Arbeit vorrang einräumen? Politiker und Arbeitgeber. Da Arbeitgeber wohl kein Interesse daran haben werden, Arbeitleistung wieder teurer einzukaufen, bleibt noch der Politiker: der Politiker könnte sich damit profilieren und eine Wiederwahl begünstigen. Wenn er denn wüßte wie das geht! Er weiss es nicht, da er nur äußerst indirekt diese Forderung umsetzen kann( und eigentlich auch so wiedergewählt werden kann).

"Wir (die anderen) müßten wieder mehr Zivilcourage zeigen!"
Warum? Man kann dabei sogar sterben. Warum also? Damit man einen Orden und einen Preis bekommt? Wohl eher nicht. Für die Gesellschaft? Aha, das hatten wir doch schon mal. Die Gesellschaft kann erst in Jahren oder Jahrzehnten davon profitieren (wenn überhaupt und habe ich dann noch was davon?), mein Leben, meine Gesundheit oder meine Freiheit kann ich aber sofort verlieren. Ergo: Zivilcourage ist gut aber irrational und wird durch Regionen des Hirns bestimmt, die nichts mit dem großen Bewußtsein zu tun haben, also für die auch nicht argumentiert werden kann.

Bis demnächst.

2005-10-07

Zur Zeit beschäftigt...

Auf alle muß man aufpassen...;-)

2005-09-19

Geschichte

Na prima!
Deutschland hat gewählt und hat nun eine Regierung, die es verdient.
D.h. Deutschland traut seinen Parteien nicht und will am liebsten keinen dieser macht- und geldgierigen Charakterruinen an die Macht lassen. Aber verhindern können wir das leider nicht und somit wird sich diese Macht schon jemand nehmen.

Da wäre es schon besser man wählte einen Tyrannen in seiner ursprünglichen Bedeutung (s. antik-griechischer Tyrann in einer Tyrannis). Da hätte man dann jemanden, den man notfalls verantwortlich machen könnte...

Gierig auf Plätze in der Geschichte vergessen die meisten Politiker, dass blosse Anwesenheit in einem Führungsamt kein Garant für eine dauerhafte Erwähnung in der Geschichte ist.
In der Geschichte werden vornehmlich Personen imlantiert, die sich durch Extreme ausgezeichnet haben, sowohl zum Guten als auch zum Bösen.

Will ein Politiker also mit gutem Gewissen seinen Platz in der Geschichte festigen, so sollte er gute und überraschende Taten für das Volk oder die Menschheit vollbringen.
So hatte Gorbatchow lediglich maximal 6 Jahre eine Führungsposition inne und hat sich seinen Platz dauerhaft in der Geschichte erkämpft. Dagegen wird Schröder mit seinen 7 Jahren Regierungszeit schon in wenigen Jahren in den Geschichtsbüchern nur noch aufgeführt sein, um die Kanzler-Chronologie ohne Lücke zu erhalten. Wer das Volk mit Hartz IV quält (bei Hartz setze ich mal keinen Link, da ich mich nicht entschliessen kann, ob der Link zu Volkswagen, zu einem Reiseunternehmen oder zu einem brasilianischen Bordell zeigen soll) und das Volk in Geiselhaft für die deutsche Wirtschaft nimmt kann nicht ernsthaft einen Platz in der Geschichte erwarten. Dabei ist die Richtung zwar auch legitim (und zwar zum Bösen), aber um Geschichtswirkung zu haben , sollte es schon mindestens von der Qualität eines Vlad DraculeasIII sein.

Auch die Enkelkinder von Herrn G.W. Bush jr. werden Ihren Enkelkindern aus den Geschichtsbüchern vielleicht nur noch das Handycap des meistens im Urlaub befindlichen Präsidenten vorlesen können. Zu den veranstalteten Kriegen wird dann vielleicht eine Fußnote führen, denn etwas so Besonderes sind Kriege nun auch wieder nicht (Weltkriege mal ausgenommen). Eine kleine Chance bleibt Bush vielleicht noch, um in die Geschichte einzugehen: Die veranstaltete Klimakatastrophe. Diese könnte aber auch dazu führen, dass die meisten Bibliotheken befeuchtet werden und somit sein großes Werk doch wieder buchstäblich in der Versenkung verschwindet.

Bis demnächst

2005-09-12

Demokratie

In den USA scheinen die physischen und politischen Aufräumarbeiten zu beginnen. Jetzt heisst es für die Politiker die richtigen Kameras und die richtigen Worte zu finden. Egal wie man handelt, Hauptsache, man kann sich anschliessend symphatisch verkaufen. Es wäre Aufgabe der Medien dies wieder ins rechte Licht zu rücken, aber seit den 11/9-Kriegen ist die freie Presse in den USA zusammengebrochen und zittert vor sich selber.

Aber immerhin hat man jetzt auf einigen Internetseiten die Strategie der USA gegen feindliche Gruppen und Staaten entdeckt. Da fällt einem nur ein: Kindern und Narren sollte man Messer und Streichhölzer wegnehmen...und man muss jetzt ergänzen: Atombomben ebenfalls!.
Vielleicht findet ja noch ein Wissenschaftler heraus, wie man mit Atombomben die Hurricanes bekämpfen kann, dann bekommen die Falken in den USA noch ihre Atomexplosionen und der Homo Sapiens kommt noch einmal davon. Fast sicher erscheint immerhin die Unmöglichkeit, die Ursache der Klimakatastrophen den Terroristen zuweisen zu können, aber warten wir mal ab...

Deutschland steht vor der Wahl.
Klingt gut, stimmt aber nicht.
In einer Demokratie wird gewählt, damit das Volk über die möglichen Wege in der Zukunft mitentscheiden kann.
In der alten DDR wurde auch gewählt, in Ägypten wurde vor kurzem gewählt. Irgendwie gewählt wird eigentlich überall. Haben wir daher überall Demokratien? Wohl eher nicht!
Wenn die Prozedur Wahl lediglich durchgeführt wird, um die formale Legitimation einer Regierung zu beweisen, nicht aber um dem Volk eine Auswahl unterschiedlicher Zukunftsalternativen zu ermöglichen, kann man wohl eher von einer mehr oder weniger verschleierten Diktatur ausgehen. Diese Diktatur muss per se nicht böse sein (man vergleiche z.B. Kuba mit den Diktaturen in den afrikanischen Ländern), aber sie ist eben auch keine Demokratie.
Also, in Deutschland wird gewählt und wenn man die Leute auf der Straße nach ihren Erwartungen fragt (oder Umfragen glaubt) bekommt man oft zur Antwort: "Es wird sich wohl nichts ändern, es wird wohl eher schlimmer. Aber wir haben ja keine andere Wahl."
So sagen es ja auch die Medien: Wahl ist eine demokratische Pflicht! (...soso!?)
Also müssen wir Deutsche zur Wahl und etwas wählen, was wir eigentlich gar nicht wollen...
(...und die Reichen werden reicher, die Armen werden ärmer, die Reichen werden klüger, die Armen werden dümmer, die Reichen werden gesünder, die Armen werden kränker, etc....)
Die sogenannten Leistungsträger , die ihre Familien mindestens bis in die 5. Generation finanziell abgesichert haben, werden erst, wenn auch das Heer der Bodyguards keinen Schutz mehr bietet, zu schätzen wissen, was sozialer Frieden wert ist.

Bis demnächst

2005-09-05

Zivilisation

New Orleans ist auch in der zweiten Woche eine Katastrophenlandschaft.
Woran liegt's?
Zum einen wurde auf lokaler Ebene (Bundesstaat) sicher nicht alles sauber durchgeplant; die (mandatory) Evakuierung wurde nur halbherzig durchgeführt und weitere Maßnahmen (Notunterkünfte, Versorgung, etc.) wurden nicht angedacht. Die amerikanische Philosophie der Eigenverantwortlichkeit passt leider nicht zu Katastrophen dieses Ausmaßes.

Zum anderen hat wohl Herr Bush seine Hilfen sowohl vor als auch nach der Katastrophe auf ein Minimum (oder sollte man sagen: negatives Maximum?) reduziert, wohl weil er in diesem Landstrich sowieso keine richtigen vollwertigen Amerikaner vermutet.
Wäre diese Katastrophe über Texas hereingebrochen, sähe die Lage jetzt wohl anders aus.

Nebenbei: was mich an den Amerikanern so verwundert, ist diese ehrfürchtige Akzeptanz eines Präsidenten, der seine Nation in den Krieg schickt (Bushs Worte: "Wir befinden uns im Krieg!")
und sich einen 5 - wöchigen Sommerurlaub genehmigt. So mancher Diktator scheint da fleissiger zu sein.

Auch ist an dieser Situation wieder einmal die dünne Haut der Zivilisation zu erkennen. Je ungerechter eine Gesellschaft aufgebaut ist, desto schneller bahnen sich Anarchie und Chaos wieder ihren Weg. Politik ist eigentlich zu wichtig, um es den kleingeistigen und machtgierigen Politikern oder Unternehmen zu überlassen. Wann werden die Massen dies bloß begreifen?

H.G. Wells war jemand, der dies schon vor hundert Jahren in seinen Werken thematisiert hat.
In all seinen Werken wie z.B. "Wenn der Schläfer erwacht", "Der Besuch", "Menschen, Göttern gleich", "Von kommenden Tagen" und sogar "Die Zeitmaschine" kämpft er verzweifelt gegen eine unerträgliche Borniertheit einer herrschenden Klasse, die Kraft ihrer Dummheit dafür sorgt, dass sich die Welt nicht weiter entwickeln kann oder gar die Welt in den Ruin treibt. Tröstlich, dass solche "Durchblicker" in allen Zeiten vorhanden waren und hoffentlich in zukünftigen Zeiten auch weiter vorhanden sein werden. Traurig, dass diese Visionäre keine große Anhängerschaft um sich sammeln können (von den Religionsführern Jesus, Mohammad, etc. mal abgesehen; nach ein paar hundert Jahren ging das ja auch immer schief). Dummerweise scheint das in der Natur der Sache zu liegen. Esther Villar hatte dazu mal ein provozierendes Buch publiziert: "Der betörende Glanz der Dummheit"; fantasievolle und mitfühlende Menschen können niemals Führer sein, dies ist ein Job für tumbe und selbstherrliche Machtmenschen.
Dumm nur, dass wir mit dieser genetisch verankerten Eigenschaft unsere Spezie nicht mehr lange erhalten werden können.

Zurück in die kleine Welt von Deutschland:
Gestern gab es im Fernsehen das TV-Duell unserer Kanzler Möchtegerns.
Nichts Interessantes.
Ärgerlich nur, dass dieses Ereignis von "weltbewegender Bedeutung" (so schien es jedenfalls den geladenen Hofberichtserstattern) auf mindestens 4 Kanälen gleichzeitig übertragen wurde, darunter mindestens 2 öffentlich rechtliche (ARD und ZDF). Muss das sein?

Und ein noch größerer Skandal: ab 22:00 wurden dann noch Werbeeinblendungen von der Firma Microsoft im Fernsehen minutenlang übertragen, angeblich weil man einige Statistiken zeigen wollte!
Werbeeinblendungen sind zu dieser Zeit (ab 20:00 Uhr) im öffentlich-rechtlichen Fernsehen verboten. Allerdings werden Sponsoreinblendungen akzeptiert (eine Hintertür, die sich leicht zum Haupteingang umbauen lässt). Allerdings müssen auch Sendebeitrag und Sponsorbeitrag deutlich getrennt werden und unterscheidbar sein und das war hier garantiert nicht mehr der Fall: War die Umfrage gar von Microsoft in Auftrag gegeben? Oder war das nur die Software?
In vorigen Wahlen war dieses geschickte Product Placement ebenfalls schon Anlass zur Verwunderung. Kurz: Nicht nur Namen oder Kanzler sind Schall und Rauch, sondern wohl auch die deutschen Gesetze!!


Bis demnächst.